Freitag, 29 August 2025 14:03

Prozess in Heidelberg wegen mutmaßlicher Erpressung

Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Angeklagter vor Gericht in Heidelberg Angeklagter vor Gericht in Heidelberg Pixabay/Foto illustrativ

Ein 41 Jahre alter Mann steht in Heidelberg vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, eine 24-jährige Studentin in ihrer Wohnung bedroht und von ihrem Vater drei Millionen Euro verlangt zu haben. Der Prozess vor dem Landgericht begann am Mittwoch und steht im Zeichen widersprüchlicher Aussagen.

Inhaltsverzeichnis:

Angriff auf Studentin in Heidelberg

Die Anklage beschreibt einen Vorfall zu Jahresbeginn. Der Mann soll in das Ein-Zimmer-Appartement der Studentin eingedrungen sein. Dort habe er sie auf das Bett geworfen und mit einer Vergewaltigung gedroht, falls sie nicht stillhalte. Er soll zusätzlich angekündigt haben, die Frau und ihre Familie zu töten. Dabei habe er ihr einen Elektroschocker an die Schläfe gedrückt.

Nach Angaben der Ermittler nahm er anschließend das Handy des Opfers an sich. Mit diesem rief er den Vater an. Er habe von ihm drei Millionen Euro gefordert. Der Vater reagierte nicht und warnte, dass die Polizei bereits im Anmarsch sei. Daraufhin floh der Mann. Vier Tage später erfolgte seine Festnahme. Im Auto fanden Polizisten einen Elektroschocker. Ob er ihn jedoch in der Wohnung einsetzte, ist unklar.

Polizei entdeckt Elektroschocker im Fahrzeug

Die Beweise legen mehrere Punkte nahe:

  • Die Polizei stellte die Waffe im Auto sicher.
  • Die Frau bestätigte die Drohungen im Gerichtssaal.
  • Laut Anklage forderte der Mann eine hohe Geldsumme.

Die Studentin trat am Mittwoch vor Gericht auf. Sie schilderte unter Tränen, der Angeklagte habe mehrfach gesagt: „Wo ist mein Geld, ich mache hier ein Massaker“. Sie erklärte, seit dem Vorfall traumatisiert zu sein und monatelang Angst gehabt zu haben, allein in ihrer Wohnung zu bleiben. Ihren aktuellen Wohnort nannte sie nicht, da sie befürchte, der Mann könnte sie erneut aufsuchen.

Aussage des Angeklagten

Der 41-Jährige widerspricht fast allen Vorwürfen. Er räumte ein, bei der Frau gewesen zu sein. Sie sei die Tochter eines früheren Geschäftspartners. Sein Besuch habe lediglich dem Ziel gegolten, den Aufenthaltsort des Vaters herauszufinden. Dieser schulde ihm nach seiner Darstellung rund 200.000 Euro. Es habe sich um Geschäfte im Bereich Immobilien und Finanzanlagen gehandelt.

Schriftliche Belege oder Quittungen konnte er nicht vorlegen. Er sprach von Naivität und Vertrauen in seinen Geschäftspartner. Er bestritt, die Frau bedroht oder drei Millionen Euro gefordert zu haben. Nach seinen Angaben habe er nur in Bezug auf den Vater gedroht.

Finanzielle Verluste und Depression

Der Angeklagte berichtete, sein Geschäftspartner sei irgendwann nicht mehr erreichbar gewesen. Er habe Renditen in der Schweiz und Liechtenstein versprochen, die aber nie ausgezahlt wurden. „Das Geld ist weg“, erklärte er. In der Folge sei er in eine Depression gefallen. Seit mehr als zwei Jahren sei er arbeitsunfähig und habe eine Rehabilitation absolviert.

Der Mann, verheiratet und Vater von zwei Kindern, sitzt seit dem 8. Januar in Untersuchungshaft. Während der Aussagen wirkte er nervös, kaute an seinen Fingernägeln und zeigte sich teilweise zerstreut. Das Urteil des Landgerichts Heidelberg soll am 4. September verkündet werden.

Quelle: SWR,wpblogs4free.com/de