Montag, 12 Januar 2026 14:59

Fundtiere und neue Wege

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Neue Wege bei der Versorgung von Fundtieren in Schwetzingen. Neue Wege bei der Versorgung von Fundtieren in Schwetzingen. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Die Versorgung von Fundtieren ist eine Pflicht der Kommunen. Mehrere Städte im Rhein-Neckar-Gebiet haben ihre Praxis geändert. Neue Verträge sollen Kosten senken und regionale Strukturen einbinden. Ab 2026 hätten sich die Ausgaben für Schwetzingen verdreifacht. Die Entscheidung betrifft Tiere, Vereine und ein etabliertes Tierheim. Kommunale Entscheidungen im Raum Heidelberg zeigen sich auch in anderen Bereichen, mehr hier.

Inhaltsverzeichnis:

Schwetzingen und Bürgerliches Gesetzbuch

Wenn Tiere gefunden werden, gelten sie rechtlich als Fundsache. Kommunen müssen Unterbringung und Kosten übernehmen. Bislang arbeiteten Schwetzingen und Nachbarorte mit dem Tierheim in Heidelberg zusammen. Der Betrag hätte ab 2026 bei 1,50 Euro pro Einwohner gelegen. Zuvor waren es 0,50 Euro. Schwetzingen zählt knapp 22.000 Einwohner. Vergleichbare finanzielle Debatten gibt es auch bei städtischen Themen wie der Gebührenentwicklung in Heidelberg.

Mit der neuen Lösung bleibt es bei 0,50 Euro pro Einwohner. Die Stadtverwaltung bestätigte die Umstellung. Ziel ist eine gleichbleibende Versorgung bei geringeren Ausgaben.

Kooperationsvertrag Dezember 2024

Der neue Vertrag wurde Mitte Dezember unterzeichnet. Neben Schwetzingen beteiligen sich Eppelheim, Plankstadt, Oftersheim und Ketsch. Alle wollen sparen. Die Fundtiere werden künftig auf mehrere Einrichtungen im Rhein-Neckar-Kreis verteilt.

  • Katzen zum Tierschutzverein Schwetzingen für 0,20 Euro pro Einwohner
  • Hunde zum Hundesportverein Oftersheim für 0,20 Euro
  • Vögel zum Vogelpark Plankstadt für 0,10 Euro

Die Stadt Schwetzingen nennt Einsparungen und die Stärkung des regionalen Tierschutzes als Gründe. Auch andere regionale Kooperationen stehen regelmäßig im Fokus, mehr Informationen hier.

Tierheim Heidelberg und Iris Mathea

Für das Tierheim in Heidelberg kam die Änderung überraschend. Die Zusammenarbeit bestand über Jahre. Der Pauschalbetrag von 0,50 Euro wurde trotz steigender Kosten nie angepasst. Geschäftsleiterin Iris Mathea betont, dass auch 1,50 Euro nicht kostendeckend seien.

Im Tierheim arbeiten insgesamt sieben Personen, darunter Fachpersonal. Die Betreuung ist teils aufwendig und zeitintensiv. Auffällige oder kranke Tiere bleiben häufig lange. Mathea würdigt das Engagement der Vereine, äußert jedoch Zweifel an der dauerhaften Belastbarkeit.

Landestierschutzverband Baden-Württemberg und Volker Stutz

Die Gebührenfrage sorgt landesweit für Diskussionen. Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg verweist auf fehlende Einheitlichkeit. Volker Stutz war 13 Jahre im Vorstand und ist im Wieslocher Tierheim aktiv. Dort werden seit Jahren 1,50 Euro berechnet. Die tatsächlichen Kosten liegen bei rund 3 Euro.

„Ich habe dabei ein blödes Bauchgefühl. Für die Versorgung der Tieren gibt es zudem strenge Auflagen, beispielsweise bei Quarantäne oder beim vorgeschriebenen Platz.“

Er bezeichnete die Umstellung als „Schlag ins Kontor“. Sparzwänge seien nachvollziehbar. Die vollständige Verlagerung der Verantwortung auf Ehrenamtliche hält er für problematisch.

Hundesportverein Oftersheim und Peter Reinhard

Die beteiligten Vereine arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. Festangestellte oder Fachpersonal gibt es nicht. Sie verweisen auf langjährige Erfahrung, Netzwerke und vorhandene Sachkunde-Nachweise. Peter Reinhard vom Hundesportverein Oftersheim sagt: „Wir sehen es als Gemeinschaftsaufgabe und arbeiten eng mit Tierärzten und Pflegestellen zusammen“.

Der Hundesportverein ist nur als Zwischenlösung vorgesehen. Eine dauerhafte Aufnahme von Hunden ist ausgeschlossen. Das ist im Kooperationsvertrag geregelt. Langfristig sollen die Tiere in Pflegestellen untergebracht werden.

Prüfphase ein Jahr

Die Neuregelung gilt zunächst für ein Jahr. Danach folgt eine erneute Bewertung. Die Stadt Schwetzingen will prüfen, ob die Unterbringung weiterhin sicher, artgerecht und verantwortungsvoll erfolgt. Das Ergebnis entscheidet über die Fortsetzung der Kooperation.

Prüfe die Standorte der Tierheime in Heidelberg auf Google Maps:

Karte: Google Maps

Quelle: SWR, WEBRIVAIG

FAQ

Warum musste Schwetzingen die Regelung für Fundtiere ändern?

Die Stadt Schwetzingen hätte ab 2026 1,50 Euro pro Einwohner an das Tierheim Heidelberg zahlen müssen. Zuvor lag der Betrag bei 0,50 Euro. Die Kosten hätten sich damit demonstrativ erhöht.

Wie viele Einwohner hat Schwetzingen?

Schwetzingen zählt knapp 22.000 Einwohner, was für die Berechnung der Fundtierpauschale maßgeblich ist.

Welche Einrichtungen versorgen künftig die Fundtiere?

Katzen gehen an den Tierschutzverein Schwetzingen, Hunde an den Hundesportverein Oftersheim und Vögel an den Vogelpark Plankstadt. Alle Einrichtungen liegen im Rhein-Neckar-Kreis.

Wie verteilen sich die Kosten pro Einwohner?

Die Kosten betragen 0,20 Euro für Katzen, 0,20 Euro für Hunde und 0,10 Euro für Vögel. Insgesamt bleiben es 0,50 Euro pro Einwohner.

Warum äußert das Tierheim Heidelberg Kritik?

Geschäftsleiterin Iris Mathea betont, dass selbst 1,50 Euro pro Einwohner nicht kostendeckend seien. Zudem weist sie auf den hohen Personal- und Betreuungsaufwand hin.

Welche Position vertritt der Landestierschutzverband Baden-Württemberg?

Der Verband kritisiert die fehlende einheitliche Gebührenordnung. Volker Stutz nennt tatsächliche Kosten von rund 3 Euro pro Einwohner und äußert Zweifel an der vollständigen Verlagerung auf Ehrenamtliche.

Arbeiten die beteiligten Vereine hauptamtlich?

Nein. Alle beteiligten Vereine arbeiten ehrenamtlich und verfügen über Sachkunde-Nachweise sowie Netzwerke mit Tierärzten und Pflegestellen.

Ist die neue Regelung dauerhaft geplant?

Nein. Die Vereinbarung gilt zunächst für ein Jahr. Danach prüft die Stadt Schwetzingen, ob die Unterbringung weiterhin sicher, artgerecht und verantwortungsvoll erfolgt.